Wir verteidigen Rojava – Wir verteidigen die Menschlichkeit! Gemeinsam werden wir unsere Kämpfe ausweiten!


Erklärung der Peoples’ Caravan zur Verteidigung der Menschlichkeit und dem Demokratischen Kongress der Völker (HDK)

Mit dem Aufruf der demokratischen Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien zur Generalmobilmachung am 18. Januar 2026 begann eine neue Phase in der Verteidigung der Revolution.

Im Bewusstsein, dass die Rojava-Revolution vor der Frage ihrer Existenz stand, übernahmen Hunderttausende auf der ganzen Welt die Verantwortung für ihre Verteidigung. Doch sie verteidigten nicht nur die Revolution in Rojava, sondern die Menschlichkeit, die Hoffnung auf eine demokratische Gesellschaft, auf die Befreiung der Frau und die Möglichkeit eines friedlichen und ökologischen Lebens.

Getragen vom Geist des Widerstands an den Grenzen zu Rojava, auf den Straßen der Metropolen Europas, in den Schützengräben Kobanês und im Bewusstsein der Geschichte des Internationalismus erhoben unzählige Menschen ihre Stimme zu einem gemeinsamen “NO PASARAN” – Für den Faschismus wird es kein Durchkommen geben! Mit dieser Parole des Internationalismus der spanischen Revolution stellten sie sich an die Seite der Menschen in Rojava. In diesem Geiste wollten sie die Grenzen zwischen sich und der Stadt Kobanê, dem Symbol des Widerstands gegen den IS und der Freiheit, zum Einsturz bringen.

So begann die Peoples’ Caravan. Eine Karawane der Solidarität und des gelebten Internationalismus von Kolumbien, Frankreich, Italien, Dänemark, der Schweiz, Slowenien, Katalonien, England, Irland, Kurdistan, dem Iran, Deutschland und Österreich, bis in die Stadt Kobanê. Eine Karawane der Menschen, von Musiker:innen, Journalist:innen, Handwerker:innen, Physiotherapeut:innen, Rettungssanitäter:innen, Filmemacher:innen, Ärzt:innen und Landwirt:innen. Von Demokrat:innen, Sozialist:innen, Anarchist:innen, Kommunist:innen und Feminist:innen. Über ihre Unterschiede hinweg vereinte sie der Wille zur Verteidigung eines würdevollen Lebens. So verbanden sich hundert Menschen, aus mehr als 13 Regionen dieser Welt, in einem gemeinsamen Ruf zur Verteidigung der Revolution von Rojava.

Vom ersten Kilometer der langen Reise an verkörperte die Karawane die Werte der Revolution. Sie wurde getragen durch die Stärke der Frauen und ihrer autonomen Organisation, ihrer Verbundenheit mit der Gesellschaft und ihrer Ethik. Sie wurde getragen durch die Spontanität der Jugend, durch gegenseitige Solidarität und geteilte Hoffnung. Bei jedem Halt der Karawane versammelten sich Hunderte um sie zu begrüßen, fanden sich Familien, um sie zu verpflegen und auf den weiteren Weg zu verabschieden.

Ein Teil der Karawane erreichte die griechisch-türkische Grenze, wo sie ein starkes Zeichen des Widerstands und der Solidarität setzten. Weitere Internationalist:innen der Karawane erreichten die kurdische Stadt Amed, wo sie sich gemeinsam mit der Jugend der DEM-Partei im Widerstand des kurdischen Volkes vereinten und ihre internationalistische Verantwortung übernahmen. So erreichte ein Teil der Karawane Istanbul, wo sie Trauer, Schmerz und den Willen zum Widerstand mit den Samstagsmüttern teilten.

Doch der türkische Staat versuchte der Karawane ihren Weg nach Kobanê zu versperren. Bereits am 28. Januar wurden 16 Internationalist:innen auf ihrem Weg von Amed nach Merdîn von der türkischen Polizei gestoppt, verhaftet, misshandelt und abgeschoben.

In Istanbul verband sich die Karawane mit der Delegation des Demokratischen Kongress der Völker (HDK), um ihren Weg fortzusetzen. Am Abend des 29. Januar machte sich die Karawane, zusammen mit dem HDK und der DEM-Partei, mit starkem Widerstandsgeist und großer Solidarität auf den Weg in die Stadt Suruç, die nahe des Grenzübergangs zum belagerten Kobanê liegt. Ihre Reise wurde von Gesängen und Parolen in verschiedenen Sprachen begleitet.

Durch diese gelungene Aktion konnte der türkische Staat uns nicht am Erreichen der Stadt Suruç hindern. Am 30. Januar nahmen die Bewohner:innen von Suruç die Karawane freudig in Empfang. Auf einer kraftvollen Demonstration wurden der gemeinsame Widerstand und die Unterstützung für Kobanê erneut bekundet.

Wie Kobanê ist auch Suruç zu einem Symbol geworden. Vor elf Jahren wurde Suruç durch die Initiative der sozialistischen Jugendbewegung zu einem der stärksten Beispiele revolutionärer Solidarität. Junge Menschen aus allen Teilen der Türkei hatten sich im Kulturzentrum Amara versammelt, um gemeinsam die Grenze nach Kobanê zu überqueren und beim Wiederaufbau der Stadt zu helfen. Am 20. Juli 2015 wurden 33 dieser Genossinnen und Genossen bei einem Bombenanschlag des Islamischen Staates getötet. Bis heute sind ihre Namen nicht vergessen und stehen weiterhin für die Solidarität der Völker.

Heute, als Peoples‘ Caravan und als Demokratischer Kongress der Völker, teilen wir die Ehre, uns in Suruç im selben Traum und im selben Kampf der 33 Genoss:innen zu versammeln. Gemeinsam, als Genossinnen und Genossen der Peoples‘ Caravan und des Demokratischen Kongress der Völker haben wir die Verantwortung übernommen, die Revolution in Rojava zu unterstützen, zu verteidigen und auszuweiten. Dafür riskieren wir jede Form von Angriffen. Für die Karawane bedeutete dies Verhaftung, Inhaftierung, Gewalt und Folter, und schließlich ihre Abschiebung. Doch dies war kein Missgeschick, sondern der Leitspruch der Karawane: „Wir verteidigen Rojava – wenn nötig bis zur Abschiebung“. Die Karawane hatte sich dem internationalistischen Aufruf angeschlossen, keine der künstlichen Grenzen zu akzeptieren und auf diesem Weg die Genossenschaftlichkeit mit allen die Widerstand leisten zu begründen.

In diesem Geist wurden wir in weniger als einem Tag zu Geschwistern füreinander. Es gab kein „Wir“ und „Ihr“, kein „Ich“ und „Du“, sondern nur eine gemeinsame Stimme des Internationalismus in der Verteidigung der Menschlichkeit.

Doch der türkische Staat konnte die Anwesenheit der Karawane nicht akzeptieren. So wurden fast 30 weitere Genoss:innen verhaftet und in Abschiebehaft genommen, wo sie Folter und Misshandlung ausgesetzt waren, bis sie in ihre Heimatländer abgeschoben wurden. Doch in jeder Stadt in die sie abgeschoben wurden, begrüßten Freunde, Genoss:innen und Familien sie mit großem Enthusiasmus. So trug sich der Widerstandsgeist von Kobanê erneut in jede Ecke Europas.

Selbst mit der Inhaftierung der Karawane in Suruç konnte der türkische Staat die Stimme der Geschwisterlichkeit nicht verstummen lassen. Denn die Karawane ist überall dort, wo Menschen an die Kraft des Internationalismus glauben. Vier weitere Freund:innen der Karawane, die seit Tagen den Widerstand der Menschen in Amed gegen die Angriffe auf Rojava begleiteten, wurden in einer Polizeioperation festgenommen und abgeschoben, um die Verbindung zwischen den Völkern zu zerstören.

Alle unsere 50 Freund:innen, die in den letzten Tagen die Grenze in die Türkei passierten, sich auf den Weg nach Kobanê machten, verhaftet und abgeschoben wurden, verdienen all unseren Respekt und unsere Hochachtung. Die Angriffe auf sie richteten sich gegen ihren gelebten Internationalismus. Ein Internationalismus, der den kommunalistischen Sozialismus gegen Rassismus, Sexismus, Nationalismus und Militarismus verteidigt. Einen Internationalismus, der den Willen der Völker für ein gleichberechtigtes und freies Zusammenzuleben verteidigt.

Im Geiste dieses Internationalismus rufen wir alle Menschen weltweit auf: Verstärkt eure Solidarität mit allen Menschen, die für Freiheit kämpfen! Stehen wir geschlossen gegen die Angriffe auf die Rojava-Revolution und schließen wir die Reihen in der Verteidigung der Menschlichkeit!

Wir werden Rojava weiterhin verteidigen! Gemeinsam werden wir unsere Kämpfe ausweiten!

Peoples’ Caravan zur Verteidigung der Menschlichkeit und Demokratischer Kongress der Völker (HDK)

An der Grenze zu Kobanê

Manchmal muss man unsichtbare Pfade gehen, um da anzukommen, wo man hinwill. Während ein Teil der Karawane an der türkischen Grenze aufgehalten wurde, verschwand ein anderer Teil für eine Weile, um in Suruc, Bakur, wieder aufzutauchen. Suruç ist 7 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt, 7 Kilometer von der noch immer belagerten Stadt Kobane. Dort spitzt sich die humanitäre Lage noch immer zu. Die Versorgungslage ist schlecht, die Temperaturen niedrig. Während des sogenannten Waffenstillstands, der immer wieder von seiten der syrischen Armee gebrochen wird, baut der türkische Staat derzeit Panzer und Artilleriegerät an der Grenze zu Kobane auf.

Genau deswegen haben wir uns auf den Weg nach Kobane gemacht – um die Belagerung zu durchbrechen, um Solidarität zu zeigen und die Stadt der Hoffnung zu verteidigen. Die Stadt, die schon einmal den IS besiegt hat und dafür weltweit gefeiert wurde.

In Suruç angekommen wurden wir von der lokalen Bevölkerung und der DEM-Partei mit Blumen, Essen und Umarmungen in Empfang genommen. Wir hielten eine Pressekonferenz ab, die auch live im kurdischen Fernsehen übertragen wurde. Darin kritisierten wir die internationale Gemeinschaft, die sich noch immer nicht ausreichend zu den Angriffen auf die kurdische Bevölkerung und die Demokratische Selbstverwaltung positioniert. Im Gegenteil, es wird offen mit der sogenannten Übergangsregierung und dem islamistischen Machthaber al-sharaa kooperiert. Diese Kooperation muss sofort gestoppt werden.

Als wir nach der Beteiligung an einer Demonstration Suruc mit dem Bus verließen, wurden wir von der türkischen Polizei angehalten und festgenommen. Sie brachten uns mit Polizeibussen nach Urfa. Von dort soll es vermutlich weitergehen nach Istanbul. Es ist unklar, wie lange wir in Abschiebegewahrsam bleiben sollen.

Trotz Verhaftungen ließen wir uns nicht einschüchtern und blieben entschlossen. Durch die Polizeibusse tönten laut kurdische Lieder, so laut, dass der Busfahrer türkische nationalistische Lieder anmachte, um uns wiederum zu übertönen. Keine Chance. „Ich würde für dich sterben, Türkei“, hieß es in einem der tükisch-nationalistischen Lieder. Unsere Lieder zeugten vom Leben und vom gemeinsamen Widerstand. Wir werden weitersingen, weiterkämpfen.

Ein Tag in Thessaloniki

Tag V

Heute begannen wir unseren Tag mit einer Vollversammlung, um unsere nächsten Schritte zu besprechen. Das erste große Treffen des Tages zeigte uns einmal mehr, wie wichtig es ist, zusammenzukommen. Vielen Dank an alle Teilnehmer:innen für ihre starken Worte!

Später wurden wir von einigen Freund:innen aus Thessaloniki zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Wir verbrachten einige Zeit in der Nähe des Meeres, um zu essen, uns kennenzulernen und uns auf die Demonstration am Abend vorzubereiten. Der Ort, an dem wir zu Mittag aßen, ist eine ehemalige Schule, die wegen Bauschäden geschlossen wurde. Die Anwohner:innen kämpften lange für die Wiedereröffnung der Schule. Nachdem der Staat dies endgültig abgelehnt hatte, wurde sie besetzt und ist mittlerweile ein soziales Zentrum. Dort gibt es ein sehr vielfältiges, selbstorganisiertes Programm, das von Tanzkursen über Sprachkurse bis hin zu offenen Versammlungen reicht.

Am Abend gingen wir mit 200 Menschen auf die Straße! Wir hatten eine laute und kraftvolle Demonstration und haben viel getanzt. Schaut euch gern unsere Videos und Aufnahmen an, um einen Eindruck zu bekommen!

Diese Stimmung von der Straße begleitete uns bis ins Hostel, wohin wir im Anschluss zurückgingen: Wir spielten zusammen Gitarre und sangen das neu komponierte Karawanenlied. Diesen Geist werden wir in den nächsten Tagen auf die Straße und morgen weiter auf die Reise tragen!

Bleibt dran & gute Nacht!

Die Karawane ist in Thessaloniki angekommen

Die Karawane ist in Thessaloniki angekommen

4. Tag

In Belgrad wurden die Mitglieder der Karawane, nachdem sie gestern im Kurdischen Café empfangen worden waren, von verschiedenen Familien beherbergt. Am nächsten Morgen fand eine Pressekonferenz statt. Eines der Hauptthemen war der Welt-Kobanê-Tag, an dem die Befreiung Kobanês vom Islamischen Staat vor elf Jahren im Jahr 2025 gefeiert wird.

Nach dem Frühstück brach die Karawane zu einer vierstündigen Fahrt nach Thessaloniki in Griechenland auf. Währenddessen gingen erneut Menschen auf die Straße, um gegen die Angriffe auf Rojava zu protestieren, ihre Unterstützung für die Bevölkerung von Kobanê zu bekunden, ihrer Wut Ausdruck zu verleihen und auch die Volkskarawane zur Verteidigung der Menschlichkeit zu begrüßen.

Morgen werden die Mitglieder der Karawane die türkische Grenze überqueren und sich auf den Weg nach Ankara machen…

Stay tuned! Berxwedan Jîyan e! Bis bald auf der Straße!