An der Grenze zu Kobanê
Manchmal muss man unsichtbare Pfade gehen, um da anzukommen, wo man hinwill. Während ein Teil der Karawane an der türkischen Grenze aufgehalten wurde, verschwand ein anderer Teil für eine Weile, um in Suruc, Bakur, wieder aufzutauchen. Suruç ist 7 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt, 7 Kilometer von der noch immer belagerten Stadt Kobane. Dort spitzt sich die humanitäre Lage noch immer zu. Die Versorgungslage ist schlecht, die Temperaturen niedrig. Während des sogenannten Waffenstillstands, der immer wieder von seiten der syrischen Armee gebrochen wird, baut der türkische Staat derzeit Panzer und Artilleriegerät an der Grenze zu Kobane auf.
Genau deswegen haben wir uns auf den Weg nach Kobane gemacht – um die Belagerung zu durchbrechen, um Solidarität zu zeigen und die Stadt der Hoffnung zu verteidigen. Die Stadt, die schon einmal den IS besiegt hat und dafür weltweit gefeiert wurde.
In Suruç angekommen wurden wir von der lokalen Bevölkerung und der DEM-Partei mit Blumen, Essen und Umarmungen in Empfang genommen. Wir hielten eine Pressekonferenz ab, die auch live im kurdischen Fernsehen übertragen wurde. Darin kritisierten wir die internationale Gemeinschaft, die sich noch immer nicht ausreichend zu den Angriffen auf die kurdische Bevölkerung und die Demokratische Selbstverwaltung positioniert. Im Gegenteil, es wird offen mit der sogenannten Übergangsregierung und dem islamistischen Machthaber al-sharaa kooperiert. Diese Kooperation muss sofort gestoppt werden.
Als wir nach der Beteiligung an einer Demonstration Suruc mit dem Bus verließen, wurden wir von der türkischen Polizei angehalten und festgenommen. Sie brachten uns mit Polizeibussen nach Urfa. Von dort soll es vermutlich weitergehen nach Istanbul. Es ist unklar, wie lange wir in Abschiebegewahrsam bleiben sollen.
Trotz Verhaftungen ließen wir uns nicht einschüchtern und blieben entschlossen. Durch die Polizeibusse tönten laut kurdische Lieder, so laut, dass der Busfahrer türkische nationalistische Lieder anmachte, um uns wiederum zu übertönen. Keine Chance. „Ich würde für dich sterben, Türkei“, hieß es in einem der tükisch-nationalistischen Lieder. Unsere Lieder zeugten vom Leben und vom gemeinsamen Widerstand. Wir werden weitersingen, weiterkämpfen.

